{"id":1163,"date":"2017-03-04T11:29:41","date_gmt":"2017-03-04T10:29:41","guid":{"rendered":"http:\/\/mein-kuvasz.de\/?p=1163"},"modified":"2017-03-04T11:29:41","modified_gmt":"2017-03-04T10:29:41","slug":"sollte-man-gelesen-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mein-kuvasz.de\/?p=1163","title":{"rendered":"sollte man gelesen haben!"},"content":{"rendered":"<p dir=\"&quot;ltr&quot;\"><i>Kaum eine Hunderasse ist so \u00fcberfrachtet mit Mythen und M\u00e4rchen, Erwartungen und \u00c4ngsten wie die Herdenschutzhunde. Die einen beschreiben sie als dauer-freundliche, \u201eselbstlaufende&#8220; Familienhunde, andere als hoch aggressive Monster, die unvermittelt angreifen, sogar auf einigen \u201eKampfhundelisten&#8220; sind sie vertreten.<\/i><\/p>\n<p>In den Tierheimen z\u00e4hlen sie zu den Langsitzern, f\u00fcr die sich niemand interessiert, die aber offensichtlich auch kaum an jemanden vermittelt werden. In den Inseraten wird nahezu einhellig ein \u201eKenner der Rasse&#8220; als neuer Besitzer gew\u00fcnscht. Nur: Wo sollen all diese Kenner der Rasse denn her kommen?<br \/>\nUnd dann hat sich ein ganzer Zweig herangebildet, der sich nur den zahllosen Herdenschutzhunden in Not widmet: Nothilfen, Trainer, \u00adPensionen. Und wo man als hilfesuchender Hunde\u00adbesitzer durchaus auch mal geh\u00f6rig zur Kasse gebeten wird und als Allheilmittel doch auch tats\u00e4chlich schon mal einen Kochl\u00f6ffel zum Draufhauen (auf den Hund versteht sich) bekommt, damit die \u201eDominanz&#8220; gar nicht erst infrage gestellt wird. S\u00e4mtliche Probleme des Hundes werden per se der Rasse zugesprochen.<br \/>\n<b>Aber wie sind sie denn nun, die Herdenschutzhunde?<br \/>\n<\/b>Nun \u2013 Hunde. Ganz einfach Hunde. Und zwar \u2013 gottseidank oder \u00adleider, je nach Standpunkt \u2013 noch sehr urspr\u00fcngliche. Nur wir haben den Kontakt zur Natur der Hunde verloren, scheint mir.<br \/>\n<b>Reiz\u00fcberflutung und ihre Folgen<br \/>\n<\/b>Ein Hund, der in unserer Welt leben muss, lebt von Anfang an in \u2013 f\u00fcr ihn \u2013 absolut unverst\u00e4ndlichen Umst\u00e4nden: Da wird er im Alter von acht Wochen aus seiner Umgebung herausgerissen, verliert Mutter und Geschwister \u2013 ein an sich schon hoch verunsichernder Vorgang \u2013 Zeit, anzukommen und neue Beziehungen einzugehen bekommt er nicht, daf\u00fcr wird er Staubsaugern, Autos, fremden Hunden, fremden Menschen, \u00addiversen Manipulationen und vielem mehr ausgesetzt, also mit Reizen extrem \u00fcberflutet. Ohne die Sicherheit einer Halt gebenden bekannten Gruppe, die ihm die Welt erkl\u00e4ren k\u00f6nnte.<br \/>\nWas Reiz\u00fcberflutung und das Versagen existenzieller Bed\u00fcrfnisse mit Menschenkindern machen, wissen wir mittlerweile \u2013 zumindest breitet sich die Erkenntnis langsam aus. Bei Hunde\u00adkindern hingegen reagieren wir mit g\u00e4nzlichem Unverst\u00e4ndnis, wenn die als Reaktion auf den Stress das Verhalten zeigen, das am tiefsten in ihren Genen verankert ist, das sie am besten k\u00f6nnen, denn was man kann, gibt Sicherheit: Der Labrador frisst bis zum Platzen, der Border Collie hetzt das B\u00e4llchen tot, der Herdenschutzhund verteidigt Ressourcen.<br \/>\nNun ist ein B\u00e4llchen jagender Border Collie vorerst einmal nicht \u00adgef\u00e4hrlich \u2013 zumindest nicht auf den ersten Blick. Auch der Fr\u00fchst\u00fcckssemmel-klauende Labbi nicht. Wohl aber ein z\u00e4hnefletschender 60 oder 70 cm gro\u00dfer Kaukasischer Owtscharka oder Komondor mit 40 oder 50 kg, dem sich auch noch das \u201eNackengefieder&#8220; str\u00e4ubt.<br \/>\n<b>Vom Mythos zur selbst erf\u00fcllenden Prophezeiung: Die Aggression<br \/>\n<\/b>Und nun beginnt ein verh\u00e4ngnisvoller Teufelskreis, der die \u00fcber Herdenschutzhunde kursierenden Mythen zur selbst erf\u00fcllenden Prophezeiung werden l\u00e4sst:<br \/>\nDer Besitzer ist verunsichert, diese Verunsicherung \u00fcbertr\u00e4gt sich auf den Hund \u2013 der wiederum noch verunsicherter wird, denn sein Herrchen signalisiert ihm ja, dass irgendetwas in der Umgebung buchst\u00e4blich zum F\u00fcrchten ist. Dass er der Ausl\u00f6ser von Herrchens Furcht ist \u2013 das kann ein Hund kognitiv nicht erfassen.<br \/>\nIn der Folge werden Trainer aufgesucht, um das vermeintliche Fehlverhalten zu korrigieren, viele vertreten noch die Meinung, dass der Alpha\u00adstatus des Halters wieder hergestellt werden muss, Leinenruck, Schl\u00e4ge \u2013 all das sind durchaus nicht selten gegebene Tipps. Und es kann durchaus passieren, dass da einem jungen Hund mit 14 Wochen die Milchz\u00e4hne ausgeschlagen werden, wenn er nicht \u201espurt&#8220;. Und alle reden von rassetypischer Aggression, die im Ansatz bek\u00e4mpft werden muss.<br \/>\n<b>Aggression erzeugt Gegen\u00adaggression \u2013 und zwar immer!<br \/>\n<\/b>Bei Menschen wie bei Hunden. Nimmt man nun noch dazu, dass Herdenschutzhunde \u00fcber die Jahrhunderte sehr konsequent auf eine hohe Toleranz gegen\u00fcber schmerzlichen Reizen \u2013 ein Wolfbiss tut weh \u2013 und auf Verteidigung von Ressourcen gez\u00fcchtet wurden, so sollte man sich eigentlich nicht wundern, dass der Hund irgendwann sehr deutlich seine Grenzen aufzeigt.<br \/>\nAnstatt als logische Folge des eigenen menschlichen Fehlverhaltens wird das jedoch als rassetypische \u00fcbersteigerte Aggressivit\u00e4t und als Beweis f\u00fcr die Nicht-Erziehbarkeit der Herdenschutzhunde gesehen.<br \/>\n<b>Ist der Herdenschutzhund denn erziehbar?<br \/>\n<\/b>Ja, nat\u00fcrlich. Kein Hirte wollte je einen Hund haben, der Schafe riss, wenn er Hunger hatte, drei Tage auf einen Jagdausflug ging und auch noch \u00adseine Kumpels mitnahm oder die Leute, die auf den Viehm\u00e4rkten seine Tiere \u00adkaufen wollten, zu Steaks \u00adverarbeitete. Der Hirte wollte einen Hund, der im Team vierbeiniges und manchmal auch zweibeiniges Gesindel von seinen Herden fern hielt und ihm dabei m\u00f6glichst keine Arbeit machte, also in einem vorgegebenen Rahmen selbstt\u00e4tig aufpasste \u2013 und nicht erst, wenn der Hirte \u201eBodo, pass auf, da kommt ein Wolf&#8220; rief.<br \/>\nDie Hunde hatten also die Aufgabe, lautstark Fremdes und potenziell Gef\u00e4hrliches zu melden. Sollte der Hirte im Raki-, Wodka-, oder Kumiss-Tiefschlaf liegen, auch zu vertreiben \u2013 notfalls mit Verletzungsrisiko. War der Hirte aber pr\u00e4sent, so entschied zu allen Zeiten er, ob da ein Schafk\u00e4ufer, ein R\u00e4uber oder ein anderer Hirte mit Hunden und Herde \u2013 denen freundlich zu begegnen war \u2013 im Anmarsch war. Wahllos angreifende hoch aggressive Tiere wollte kein Hirte, und fiel durch eine Laune der Natur solch ein Welpe, so lebte er nicht lange.<br \/>\nUnd damit ergibt sich von allein, dass ein Herdenschutzhund nat\u00fcrlich erziehbar ist. Er hat keinen \u201ewill to please&#8220;, wie etwa manche Jagd- oder H\u00fctehunde \u2013 der fehlt ihm v\u00f6llig \u2013 aber er beachtet die Regeln in seinem Sozialverband. Nur: Der Mensch muss die Regeln aufstellen und ggf. durchsetzen, auch wenn Bodo in seinen Bart grummelt und Missmut zeigt. Denn auch das Recht hat Bodo: Zu sagen, ich hab grade keine Lust \u2013 er ist ja ein Lebewesen und keine Maschine. Damit Bodo allerdings wirklich glaubt, dass er trotzdem folgen und Oma Hilde hereinlassen soll, geh\u00f6rt, dass er seinen Menschen als Autorit\u00e4t wahrnimmt, der man sich gerne anschlie\u00dft, weil sie Sicherheit, Futter und \u00fcberhaupt ein angenehmes Leben verspricht und \u2013 vor allem \u2013 sich in dieser f\u00fcr den Hund g\u00e4nzlich unverst\u00e4ndlichen Welt aus\u00adzukennen scheint. Und dass er eine gute Beziehung zu seinem Menschen hat. Fremden gehorcht er nicht.<br \/>\nEin Hundebesitzer, der bei jeder Hunde\u00adbegegnung drau\u00dfen die Leine kurz nimmt, schwei\u00dfnasse H\u00e4nde bekommt und einen Puls von 200 hat, der autogenes Training braucht, bevor er seinem Hund erkl\u00e4ren kann, dass das Bett NICHT seins ist und Oma Hilde willkommen \u2013 der kann seinem Hund diese Sicherheit und Autorit\u00e4t nicht vermitteln. Auch keiner, der sich pers\u00f6nlich in Frage gestellt f\u00fchlt, wenn der Hund per Grummeln zeigt, dass er das schmerzende Ohr jetzt in Ruhe gelassen haben m\u00f6chte und man sich sein Ohrmittel doch bitte selber verabreichen m\u00f6ge.<br \/>\nIch habe den Eindruck, wir erwarten von unseren Hunden mittlerweile mehr und mehr, dass sie zu per Knopfdruck funktionierenden \u00adBefehlsempf\u00e4ngern werden. Jede nat\u00fcrliche Regung, jeder Wunsch nach Selbst\u00e4ndigkeit, nach in Ruhe gelassen zu werden, jeder \u00adAusdruck von Gef\u00fchlen oder \u00adW\u00fcnschen wird als Unbotm\u00e4\u00dfigkeit aufgefasst, normales hundliches Verhalten unterbunden, weil es eklig (Kot fressen z.B.) oder aggressiv (sehr k\u00f6rper\u00adbetont spielen) ist \u2013 f\u00fcr Menschen. Und wenn der Hund auf diese extrem unnat\u00fcr\u00adlichen Haltungsbedingungen reagiert, ist er ein Problemhund. Und dabei hat er doch nur einen Problemmenschen \u2026<br \/>\nHerdenschutzhunde haben in diesem Kontext einfach das Pech, dass sie gro\u00df und respekteinfl\u00f6\u00dfend sind und bei ihnen eine missmutige Reaktion als sehr viel bedrohlicher wahrgenommen wird als beim Westie. Die \u00adAu\u00dfenwirkung ist also eine andere. Und sie sind Wachhunde, \u00fcber Jahrhunderte auf diese Eigenschaften hin selektiert. Denn wer sie nicht hatte, wurde get\u00f6tet. Unn\u00fctze Fresser konnte man sich nicht leisten. Damit muss man umgehen k\u00f6nnen \u2013 und wollen.<br \/>\n<b>F\u00fcr wen eignet sich also ein Herdenschutzhund?<br \/>\n<\/b>Ganz sicher muss man KEIN Kenner der Rasse sein. Wohl aber eine in sich ruhende Pers\u00f6nlichkeit, bei der der Hund KEINEN anderen Zweck er\u00adf\u00fcllen muss als Freude am Dasein und an gemeinsamen Unternehmungen und\/oder gemeinsamer Arbeit. Denn zum \u201eEgobooster&#8220; eignet sich der Herdenschutzhund nicht. Und: Man sollte durchaus \u00fcber eine gewisse K\u00f6rperlichkeit verf\u00fcgen und sich auch nicht scheuen, im Falle eines Falles per Rempler Pr\u00e4senz zu zeigen. \u00adJunge R\u00fcden sind Grobmotoriker \u2013 und im ersten Hormonhoch schon mal etwas abgelenkt. Und am wichtigsten: \u00adLassen Sie den Hund Hund sein.<br \/>\n<b>Was der Herdenschutzhund Ihnen nicht geben kann:<br \/>\n<\/b>Selbstbewusstsein und Schutz. Wenn Sie selbst unsicher sind, wird Ihre Unsicherheit sich immer auf den Hund \u00fcbertragen und daf\u00fcr sorgen, dass er immer heftiger Ressourcen verteidigt. Was er als Ressource ansieht, kann dabei sehr unterschiedlich sein: Das Sofa, alles Essbare, Frauchen oder Herrchen, die Kinder, das Auto oder auch das ganze Haus samt s\u00e4mtlicher Inhalte.<br \/>\nAuch den Bezug zur Natur werden Sie vom Hund nicht bekommen, wenn Sie ihn nicht schon haben. Ein Herdenschutzhund ist \u2013 noch \u2013 \u201eNatur pur&#8220;, aber die muss man auch so nehmen und zulassen k\u00f6nnen. Ohne Bezug zur Natur und zu nat\u00fcrlichen Verhaltensweisen geht das nicht.<br \/>\n<b>Was braucht ein Herdenschutzhund?<br \/>\n<\/b>Ein Herdenschutzhund braucht \u00adweniger das gro\u00dfe Grundst\u00fcck, als eine Umgebung in der sich fortlaufend etwas \u00e4ndert, das er registrieren, mit dem Normalzustand vergleichen und bewerten kann. Das k\u00f6nnen Nutztiere sein, aber auch eine Bushaltestelle oder ein Kindergarten gegen\u00fcber. Er wird wenig bellen, sobald er erst \u00adeinmal alles kennt, denn er meldet per se nur Unbekanntes. Das allerdings laut.<br \/>\nDann braucht er eine moderate Ern\u00e4hrung mit einem ordentlichen Futter, dazu mal einen Joghurt oder Quark oder die Reste des Mittag\u00adessens, ab und an mal einen Knochen, Getreide. Er brauchte KEINE hoch proteinhaltige Nahrung, denn er wurde \u00fcber Jahrhunderte auf Futtergen\u00fcgsamkeit gezogen.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus braucht er viel freie Bewegung in eher langsamem, gem\u00fctlichem Tempo, viele Wetterreize und Hundegesellschaft. Aus der Erfahrung von 20 Jahren mit einer kleinen privaten Notstation kann ich sagen, dass Herdenschutzhunde aufbl\u00fchen und nicht selten jegliches Problemverhalten ablegen, wenn sie passende Hundegesellschaft bekommen. Herdenschutzhunde waren und sind einfach Teamarbeiter: Ein Hund allein kann keine Herde sch\u00fctzen.<br \/>\nUnd dann bleibt er auch zuhause und bricht nicht aus. Dennoch sollte man hohe Z\u00e4une haben, denn die Nachbarn f\u00fchlen sich sicherer, wenn der Hund nicht ausbrechen kann \u2013 auch wenn er es nie tut. Und viele Menschen haben einfach Angst vor Hunden. Herdenschutzhunde sind da eine Heraus\u00adforderung: Gro\u00df, oft dunkel oder zumindest mit schwarzem Gesicht, wenig Kuschelfaktor.<br \/>\n<b>Welche Rasse f\u00fcr wen?<br \/>\n<\/b>Das ist letztendlich Ihrem Geschmack \u00fcberlassen. Meiner Erfahrung nach unterscheiden sich die Hunde weit mehr aufgrund unterschiedlicher Sozialisation als aufgrund unterschiedlicher Rassen, auch wenn es Unterschiede gibt.<br \/>\nWenn Sie freie Wahl haben: \u00adW\u00e4hlen Sie einen Hund, der in einer gemischtgeschlechtlichen Hundegruppe mit erwachsenen Hunden zur Welt gekommen ist und im Sicherheit gebenden Beisein dieser \u00adGruppe schon einiges kennen lernen \u00addurfte: Andere Tiere, Kinder, andere \u00adMenschen, Autofahren, den Tierarzt. Und \u00fcbernehmen Sie ihn aus solchen Bedingungen fr\u00fchestens mit 10 bis 12\u00a0Wochen.<br \/>\n<b>Der Herdenschutzhund aus dem Tierschutz?<br \/>\n<\/b>Ja, gerne. Auch erwachsene Herden\u00adschutzhunde gliedern sich noch ein und werden zu treuen Begleitern. Allerdings brauchen sie Zeit zum Ankommen in ihrer neuen Familie. Und Zeit hei\u00dft f\u00fcr einen Herdenschutzhund drei Monate aufw\u00e4rts. Besetzen Sie in dieser Zeit alles, was mit Ihnen zu tun hat, positiv und tolerieren Sie es, dass er Sie m\u00f6glicherweise erstmal per Brummen oder Lefzen-heben auf Abstand h\u00e4lt. Er will ganz sicher trotzdem nicht die Weltherrschaft \u00fcbernehmen. Herdenschutzhunde fremdeln sehr und wollen von Fremden auch ganz bestimmt nicht angefasst bzw. manipuliert werden, schon gar nicht, wenn alles Vertraute mal eben \u201eper Fingerschnippen&#8220; im Nirwana verschwunden ist. Aber aus der Erfahrung kann ich garantieren, dass fr\u00fcher oder sp\u00e4ter jeder Herdenschutzhund beschlie\u00dft, dass Menschen was \u00adFeines sind \u2013 und eigene Menschen erst recht.<br \/>\nAuch wenn sie mit ihrem \u201ewill to \u00adplease&#8220; ganz sicher niemals irgendwo einen Blumentopf gewinnen werden: Herdenschutzhunde wurden jahrhundertelang auf eine Affinit\u00e4t zu Menschen hin selektiert. Sie h\u00e4tten sonst niemals vern\u00fcnftige Arbeit leisten k\u00f6nnen. Herdenschutz hat immer gehei\u00dfen \u201ezuarbeiten&#8220;. Unbehirtete Herden sind ein absolutes Novum der Neuzeit.<br \/>\nUnvergessen ist mir da C\u00e4sar, in den sechziger Jahren im Bayerischen Wald: Er streunte durchs Dorf, wenn er Lust hatte, vertrug sich dabei mit Hund-Katze-Maus und allen Kindern, bewohnte zuhause eine sch\u00f6ne H\u00fctte und hat schon mal den \u201eKracherlmann&#8220; (heute: den Getr\u00e4nkelieferanten) f\u00fcr drei Stunden bei sengender Hitze auf die leeren K\u00e4sten vor unserer Haust\u00fcr gefesselt. Wir wurden ausgesprochen sehns\u00fcchtig erwartet. Und nein, C\u00e4sar war kein Herdenschutzhund. C\u00e4sar war ein ganz normaler Bernhardiner. Und sein Verhalten das ganz normale, \u00fcbliche Verhalten eines Wachhundes \u2013 wie es die Herdenschutzhunde auch sind. Nur die Zeiten waren andere. Damals wussten die Menschen noch, wie man sich solchen Hunden gegen\u00fcber verh\u00e4lt.<br \/>\n<b>Wie man sich einem fremden \u00adHerdenschutzhund auf seinem eigenen Territorium gegen\u00fcber verh\u00e4lt<br \/>\n<\/b>Wenn der Hund Sie knurrend stellt: Ausatmen, wegschauen, die Schultern h\u00e4ngen lassen, betont entspannt atmen, ruhig bleiben. NICHT schreien oder herumfuchteln, NICHT bewegen. Einfach stehen bleiben, die Ameisen zu ihren F\u00fc\u00dfen z\u00e4hlen und warten, bis der Hund das Knurren reduziert, ein oder zwei Schritte r\u00fcckw\u00e4rts macht, auch mal woanders hinsieht. Dann \u2013 UND ERST DANN \u2013 k\u00f6nnen Sie bei entspannter Haltung und Atmung und ohne den Hund anzusprechen oder \u00adanzusehen, \u00adr\u00fcckw\u00e4rts Schrittchen f\u00fcr \u00adSchrittchen das Territorium des Hundes verlassen. Bitte nie ver\u00adsuchen, vorw\u00e4rts an dem Hund vorbei zu kommen. In der Regel wird der Hund so froh sein wie Sie, wenn Sie sein Territorium verlassen haben. Unser Kracherlmann hatte leider die Hausmauer im R\u00fccken und vor sich den Hund \u2026 In solchen F\u00e4llen: \u00adWarten, bis der Besitzer kommt.<br \/>\nUnd der wichtigste Tipp: Nehmen Sie Ihren Hund einfach als Hund. Ein bisschen gro\u00df, ein bisschen speziell, aber \u2013 unterm Strich \u2013 einfach nur ein Hund.<\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;\">Quelle:WUFF Hundemagazin,Sabine Lagies<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum eine Hunderasse ist so \u00fcberfrachtet mit Mythen und M\u00e4rchen, Erwartungen und \u00c4ngsten wie die Herdenschutzhunde. Die einen beschreiben sie als dauer-freundliche, \u201eselbstlaufende&#8220; Familienhunde, andere als hoch aggressive Monster, die unvermittelt angreifen, sogar auf einigen \u201eKampfhundelisten&#8220; sind sie vertreten. 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